Die Geschichte des Groß Kölziger Vereinssports

Die Anfänge

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der aufstrebenden Industriegemeinde Groß Kölzig ein reges Vereinsleben. Einen wesentlichen Anteil daran hatten Sportgemeinschaften, die den Einwohnern Möglichkeiten für eine regelmäßige sportliche Betätigung und die Gestaltung kulturell-geselliger Veranstaltungen boten. Über Jahre wurden Sportarten wie Turnen, Straßen- und Saalradsport, Leichtathletik, Hand- und Fußball sowie Ringen erfolgreich betrieben. Säle der Groß Kölziger Gaststätten sowie 3 Sportplätze boten die materielle Basis für den Übungs- und Wettkampfbetrieb. Zwischen Schule und Feuerwehr befand sich der von der Turnerschaft genutzte Turnplatz, in den 1920er Jahren erweiterte ein Fußballplatz das Repertoire der Groß Kölziger Sportanlagen.

 

Bereits 1900 gründete sich der Radfahrer-Club Groß Kölzig. Der Club gehörte dem Bund Deutscher Radfahrer an, betrieb Saal- und Straßenradsport, gestaltete Vereinsrennen und nahm an regionalen Straßenrennen und Wettkämpfen teil.

 

Die Turnerschaft Groß Kölzig, gegründet 1903, Vereinslokal Gasthaus „Jägler“ (heute Gasthof „Zur Dorflinde“), gehörte der Deutschen Turnerschaft an. Zu seinen wichtigsten Sportarten zählten Turnen, Leichtathletik und Handball. Im Jahr 1912 kam eine Fußballmannschaft, die erste des Ortes, dazu. Die Teilnahme der Sportler an regionalen Sportveranstaltungen, Wettkämpfen und Meisterschaften bestimmten die Arbeit des Vereins.

Der im Jahr 1923 gegründete Arbeiter-Sport-Club Groß Kölzig, Vereinslokal Gasthof „Hayasche“, erreichte mit seinen zwei Männermannschaften, einer Jugend- und einer Schülermannschaft als dörfllicher Verein bereits ein beachtliches sportliches Niveau. Bis zu seiner Auflösung nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten  bestimmten Teilnahmen an Meisterschafften sowie die Ausrichtung von Vereinssportfesten das rege Vereinsleben.

 

Radfahrer-Club, Turnerschaft und Arbeiter-Sport-Club begründeten die an Ereignissen und Erfolgen reiche Groß Kölziger Sportgeschichte, die nach 1949 in der Betriebssportgemeinschaft Aktivist ihre Fortsetzung fand. Seit 1990 führt der Turn- und Sportverein 1903 e.V. mit seinem Übungs- und Wettkampfbetrieb die Tradition des dörflichen Sportes weiter.

 

 

BSG Aktivist Groß Kölzig

 

Bereits in den ersten Nachkriegsjahren begannen junge Männer den Sport in Groß Kölzig wieder zu beleben. Fußballbegeisterte bildeten 1947 vorerst eine Mannschaft, die noch im gleichen Jahr den Spielbetrieb in Form von zahlreichen Freundschaftsspielen aufnahm. Ein Jahr später hielt der offizielle Punktspielbetrieb in der damaligen Kreisklasse Spremberg Einzug. Den Fußballern folgten bald Turnern mit regelmäßigem Übungsbetrieb im Saal des Gasthofes „Zur Dorflinde“.

 

Die dem Braunkohlewerk „Conrad“ zugeordnete Betriebssportgemeinschaft BSG Aktivist Groß Kölzig gründete sich 1949. Sie bot den Beschäftigen der Grube und den Bürgern der umliegenden Gemeinden gute Möglichkeit, in den Sektionen Fußball, Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Kegeln, dem Spielmannszug und in Volkssportgruppen, allerdings nicht in allen Fällen im Verlaufe der gesamten Vereinsgeschichte, aktiv Sport zu treiben oder im Spielmannszug mitzuwirken. Das BKW „Conrad“ hatte maßgeblichen Anteil an der Vervollkommnung bestehender und Schaffung neuer Anlagen, an der Gestaltung von Sportplätzen, am Bau zweier Kegelbahnen und eines Sportlerheims, das von Anfang an für vielfältige kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde. In den Sommermonaten arbeitete ein Beschäftigter der Grube, der die Sektion Schwimmen in den 1950er Jahren leitete, als Schwimmmeister im Waldbad Groß Kölzig.  

 

Dank der Leistungsbereitschaft der aktiven Sportler und des engagierten Einsatzes von Übungsleitern und Betreuern wurde in der Sektion Fußball über viele Jahre eine erfolgreiche Arbeit geleistet. Mehrmals gelang es 1. Männermannschaften Kreismeistertitel zu erringen. Auch weitere sportliche Erfolge wie Pokalsiege, Bezirksmeistertitel der Reservemannschaft und internationale Vergleiche bestätigten die ansprechende Qualität des Groß Kölziger Fußballs in jenen Jahren.

 

In den Sektionen Turnen und Leichtathletik entwickelte sich besonders in den 1950er Jahren ein intensiver Übungsbetrieb, der zu guten Leistungen und Siegen bei Vergleichswettkämpfen und Meisterschaften führte. Zwei Groß Kölziger Leichtathleten errangen bei den Kreismeisterschaften 1951 in Spremberg in ihren Disziplinen den Kreismeistertitel. Die intensive Zusammenarbeit mit der Schule sicherte eine erfolgreiche Jugend- und Nachwuchsarbeit.

 

Mit dem 1937 eröffneten Schwimmbad im Bruchmühlengelände besaß Groß Kölzig eine weitere, für ein Dorf und die damalige Zeit beachtliche Sportstätte. In den 1950er Jahren wurde das Bad Heimstätte der leistungsstarken Schwimmsportsektion. Schwimmerinnen und Schwimmer, Wasserballer und Turmspringer erkämpften damals manchen Sieg bei Schwimmvergleichswettkämpfen und Wettkämpfen  für die Farben der BSG Aktivist. Besonders im Schüler- und Jugendbereich konnten bei Schwimmern wie Wasserballern nennenswerte Erfolge erzielt werden – u.a. Meistertitel und gute Platzierungen bei Landes- und Bezirksmeisterschaften und bei DDR-Vergleichskämpfen der Sportvereinigung Aktivist. Die erfolgreiche Arbeit der Groß Kölziger Schwimmsportler fand in der Spartakiadebewegung bis in die 1980er Jahre ihre Fortsetzung.

 

1953 entstand in unmittelbarer Nähe zum Sportlerheim an der Dorfstraße eine Kegelbahn. Diese 2-Bahnanlage, von zahlreichen Sportlern in freiwilliger Arbeit erbaut, bildete die Voraussetzung für den wettkampffähigen Kegelsport in der BSG Aktivist und für den Aufbau einer leistungsstarken Sektion Kegeln. Mit der 1976 eröffneten modernen  4-Bahnanlage, die ebenfalls durch den Fleiß und die Einsatzbereitschaft der Sportler in freiwilliger Arbeit entstand, verbesserten sich die Bedingungen für den Trainings- und Wettkampfbetrieb entscheidend, wodurch die erfolgreiche Entwicklung der Sektion noch zielstrebiger fortgesetzt werden konnte. Die hervorragenden sportlichen Ergebnisse im Männer-, Frauen- sowie Jugend- und Schülerbereich sorgten dafür, dass der Kegelsport zu einem wahren Aushängeschild der BSG Aktivist wurde. Die Erfolge reichten von Mannschaftswettkampfsiegen bis zu Mannschafts- und Einzelmeistertiteln und guten Platzierungen bei Kreis-, Bezirks- und DDR-Meisterschaften. Bis heute nahmen viele Kölziger Kegelsportler auch an Gesamtdeutschen Meisterschaften im Männer-, Frauen-, Jugend- und Seniorenbreich teil. Bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren C 2014 in Öhringen konnte der Groß Kölziger Klaus Scholta als erstere Kegler aus Brandenburg in dieser Klasse einen 2. Platz erreichen.

 

 

Spielleute aus früheren Sportgemeinschaften gründeten 1950 den Spielmannszug der BSG Aktivist, der eine beachtliche Qualität erreichte und der näheren und weiteren Umgebung hohe Anerkennung fand. Bei unzähligen Veranstaltungen bewiesen die 30 Spielleute ihr können. Auftritte im Kreis-, Bezirks- und DDR-Maßstab waren keine Seltenheit. Die größten Erfolge wurden mit dem Bezirksmeistertitel und dem 6. Platz bei einem DDR-Ausscheid erzielt. Besondere Höhepunkte für den Spielmannszug der BSG Aktivist waren unter anderem auch die Teilnahme am II. und III. Deutschen Turn- und Sportfest 1957 und 1961 in Leipzig sowie beim III. die Mitgestaltung des großen Festumzuges gemeinsam mit anderen Spielmannszügen und Militärorchestern.

 

Ein besonderer Dank gilt Herrn Wolfgang Grätz und Herrn Michael Weiß, die im Namen der Heimatstube Groß Kölzig Bild- und Textmaterial zur Verfügung stellten!